Mit dem heutigen Dienstag enden die Eisheiligen 2012 - doch wer oder was sind die Eisheiligen eigentlich genau?
Die
Eisheiligen gehen auf langjährige Beobachtungen zurück und zählen zu
den Bauernregeln. In Österreich kennt man 4 (Eis)Heilige: Pankratius
(12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und die Kalte
Sophie (15. Mai). In Norddeutschland und der Schweiz kommt noch Mamertus
(11. Mai) hinzu. Zu erwähnen ist hier allerdings, dass diese Stichtage
vor der Gregorianischen Kalenderreform (1582) eingeführt wurden -
eigentlich wären Mamertus bis Sophie nach neuem Kalender ungefähr vom
19. bis 23. Mai!
Meteorologisch gesehen sind die
"gestrengen Herren" (und Dame ;)) nichts anderes als in Mitteleuropa
immer wieder vorkommende Kaltlufteinbrüche Mitte Mai. Man spricht auch
von einer meteorologischen Singularität
(vgl. Schafskälte, Hundstage, Weihnachtstauwetter etc.). Statistisch gesehen gibt es in 2 von 3 Jahren solche Kaltluftrückfälle.
Der 5. Monat des Kalenderjahres zählt ebenso wie der April zu den Frühlingsmonaten und der Kampf der Luftmassen
(kalte Luft im Norden, warme Luft im Süden)
ist zu dieser Übergangszeit besonders ausgeprägt. Dementsprechend
spricht man auch vom typischen - unbeständigen - Aprilwetter und der Mai
hat ebenso immer wieder Überraschungen, auch in Form von Kälte und
vereinzelt auch Nachtfrost, zu bieten.
In diesem Jahr waren die
Eisheiligen pünktlich - kletterte das Thermometer am Freitag (11. Mai)
in Zell am See noch auf knapp über 29 Grad brachte eine Kaltfront im
Laufe des nächsten Tages aus Nordwesten deutlich kältere Luft. Am
Sonntag lag der Höchstwert gerade einmal bei 11 Grad. Auf der
Schmittenhöhe betrug der Unterschied ebenfalls 18 Grad, dort schaffte es die Temperatur am Sonntag nicht mehr in den positiven Bereich...!
Doch
streng genommen sollten die Eisheiligen ja auch Temperaturen unter 0
Grad bringen, was für empfindliche Pflanzen oftmals den Kältetod bedeutet. Doch für
Mai-Frost in Zell am See muss man schon sehr weit in der Klimastatistik
zurückblättern. Und österreichweit betrachtet ist Maifrost ganz klar die Ausnahme!
In unseren Aufzeichnungen seit 2005 hab ich für Zell am See keinen einzigen Mai-Fall mit Nachtfrost gefunden,
durchschnittlich
(60-jährige Aufzeichnung) gibt es 1/2 Frosttag im Mai, d.h. eigentlich alle 2 Jahre. In Uttendorf (0,8), Krimml (1,3), Rauris (2,1) und Saalbach (3,7) tritt Nachtfrost wesentlich häufiger auf. Am heutigen Dienstag war es im Oberpinzgau zum Teil leicht frostig und auch in den kommenden Tagen verbleiben die Frühtemperaturen im Bereich des Gefriefpunkts, zum Teil auch knapp darunter. Erst ab Samstag ist die Nachtfrostgefahr auch in etwas höher gelegenen Regionen kein Thema mehr.
Kälteeinbrüche sind also nichts ungewöhnliches um diese Jahreszeit, wirklich
gerecht werden die EISheiligen ihrem Namen allerdings nicht, denn Nachtfrost
gibts im Mai meist nur in höher gelegenen Regionen (Lungau,
Seefeld,höhere Lagen des Mühl- und Waldviertels). Dazu müssen aber auch
die Umstände passen - eine klare, windstille Nacht begünstigen starke
Auskühlung! Eine Schneedecke wäre ebenfalls "hilfreich", Mitte Mai ist
die aber nur mehr auf den Bergen vorhanden.
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| 15 Tage Trend für München, Temperatur in ca. 1500 m. Quelle: www.wetterzentrale.de |
Zum Schluss noch, wie gehts mit den Temperaturen
weiter? Hierzu ein Diagramm für München für die nächsten 15 Tage, siehe oben. Fazit: Mit der
nächsten Kaltfront kühlt es zum Mittwoch hin wieder markant ab, die Schneefallgrenze sinkt in den Nordalpen bis in höhere Täler - in Zell am See verbleiben die Temperaturen am Mittwoch im einstelligen Bereich. Die Eisheiligen machen heuer also Überstunden.
Die
unterdurchschnittlichen Temperaturen erholen sich erst ab Freitag wieder
langsam. Danach schauts nach durchschnittlichen bis leicht
überdurchschnittlichen Temperaturen aus, beständiges Hochdruckwetter ist
allerdings nicht in Sicht, was man an den Ausschlägen beim Niederschlag
deutlich erkennen kann.
Erklärung zum Diagramm: Aufgetragen im oberen Bereich ist die Temperatur in 850 hPa
(entspricht in etwa einer Höhe von 1500 m),
die rote Linie steht für das 30-jährige Mittel. Unten sieht man den
Niederschlag. Man erkennt jeweils mehrere Linien, das sind verschiedene
Läufe des amerikanischen Modells. Für das grobe Verständnis reicht
folgendes: Umso näher die Linien beisammen liegen, umso sicherer ist die
Entwicklung. Je weiter in die Zukunft man blickte, desto weiter
auseinander befinden sich die Linien, das heißt die Unsicherheiten
nehmen zu. (Nona... ;))
Wozu wählt man die Temperatur auf einem Druckniveau von
850 hPa? Da in dieser Höhe der Tagesgang der Temperatur unterdrückt wird
und die Temperaturschwankungen wirklich auf unterschiedlich temperierte
Luftmassen
zurückgeführt werden. Luftmassenwechsel (Fronten) können daher besonders gut sichtbar gemacht werden.